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1. April 2012

Erziehung, mit drei.

Das Leben mit Kindern ist so Vieles: zeitaufwändig, nervenraubend, anstrengend, stressig und vor allem wunderschön.

Die letzten drei Jahre mit Mieke an meiner Seite haben Facetten meiner Persönlichkeit zum Vorschein gebracht, die ich vorher nicht kannte, meine Nerven beinah reißen lassen, den Körper unter chronischen Schlafmangel gesetzt, der Psyche unbekannte Sorgen verschafft und mich Dinge lernen lassen, von denen ich nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Dieses kleine Wesen kann innerhalb weniger Minuten alle Gefühle der Welt in mir auslösen und mich fordern, wie kein anderer Mensch.
Und doch würde ich all das immer wieder auf mich nehmen, nur um diese Liebe erfahren und spüren zu können. Diese bedingungslose, reine Liebe. Alle Selbstzweifel und Sorgen nehme ich in Kauf, nur für diesen Moment vor gut 3 Jahren - damals im Krankenhaus. Dieser Moment, wo das kleine, rosige, verschmierte Baby auf meinen Bauch gelegt wurde und durch mich diese Welt entdecken durfte. Dieser Moment, der unser ganzes Leben veränderte und es dabei so viel schöner machte.

Ich bin stolz und freue mich, sie mit jedem Schritt auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Aber die letzten 3 Jahre waren nicht immer schön, sie waren und sind oft auch einfach nur anstrengend.

Das erste Lebensjahr mit all seinen Herausforderungen: Stillen, abstillen, laufen lernen, durchwachte Nächte, die ersten Kinderkrankheiten und das Einfinden in die neue Rolle als Eltern.

Das zweite Lebensjahr mit dem Jonglieren zwischen Kind und Karriere - Mieke und Job. Dazu eine Trotzphase par excellence mit allem, was dazu gehört: Schreianfälle, öffentliche Auftritte, Wutausbrüche, Tränenbäche... Nicht immer konnte (und kann!) ich da so gelassen sein, wie ich es gern wäre. Auch wir als Eltern sind nicht jeden Tag gleich und haben mit den eigenen Befindlichkeiten zu kämpfen. Kommt dann auch noch ein permanent trotzendes Kind dazu wird es schwierig und manchmal auch einfach nur laut. Was ich gelernt habe ist, dass es Mieke absolut zerfrisst, wenn ihre Eltern richtig böse und wütend mit ihr sind. Dann kriegt der kleine Körper sich kaum ein vor Kummer und alles schüttelt sich. Meist hilft es in solchen Momenten, sie aus der Situation zu nehmen, sie auf den Schoß zu setzen und zu warten, bis sie kognitiv wieder erreichbar ist... Schwer wird es, wenn sie in dem Anfall jegliche Contenance verliert und den Körperkontakt nicht duldet. Denn obwohl sie Nähe nicht will, erträgt sie dann Distanz auch sehr schlecht...Da passieren Momente Revue, die für uns beide wirklich nicht schön waren.

Ziemlich genau um den dritten Geburtstag herum hatte ich erstmals das Gefühl, dass sie nun endlich im Leben und ihrem Umfeld angekommen ist - sie kann sich verständlich machen mit den meisten Schattierungen ihrer Gefühle und bekommt entsprechendes Feedback. Ein großartiger Zustand für alle. Sie scheint mittlerweile ganz genau zu wissen, was die einzelnen Gefühle bedeuten und kann sie richtig einordnen.
Meistens ist sie ein kleiner, lustiger Sonnenschein, der sich clever Zusammenhänge erschließt und ziemlich fixiert auf sein nähstes Umfeld ist. Mama, Papa, Oma, Opa...alle sind da sehr wichtige Wegbegleiter.
Und schwupps, steht die nächste Herausforderung in der Tür. Seit kurzem bleibt mir manchmal fast der Atem weg, wenn ich sie agieren sehe. Da kommt ab und an ein freches Mädchen durch, dass weder Grenze noch Benehmen kennt. Es zeigt sich bisher nur in kleinen Dingen, aber das macht sie nicht weniger schlimm bzw. beachtenswert. Die nächsten Monate werden demnach nicht minder anstrengend, denn wenn eines wirklich nicht geht, dann ist es schlechtes Benehmen. Freche Widerworte, der falsche Tonfall, ein bestimmendes Wesen...Plötzlich bekommt die eigene Kindheit und die dadurch geprägte Erziehung einen ganz neuen Anstrich. Wie oft habe ich gehört: "Sei nicht so frech" oder "Jetzt reden kurz Mama und Papa" oder auch "Nicht in diesem Tonfall". Und jetzt? Da schallt es wie ein Echo aus unseren Mündern.
Es ist eine schwierige, sehr subtile Form der Erziehung, die nach wie vor eins vehement einfordert: die magische Konsequenz.

Ich wünsche mir, dass Mieke irgendwann begreifen kann, dass diese Konsequenz zu ihrem Allerbesten ist. Wir geben uns die allergrößte Mühe, sie als demokratischen Menschen zu erziehen, der in weiten Teilen mitbestimmen darf und soll. Sie wird gehört - aber dazu muss sie eben auch auf uns hören.