26. April 2010

Funkstille

Die letzten Tage habe ich mich wohl ausgeschwiegen.
Zu den Fakten:

Mieke macht sich prima in der Krippe und lässt mich gut gehen. Nur heute eine etwas schmerzvolle Verabschiedung unter großem Protest.

Herr L. hat sich gemeldet. Probearbeiten war sehr gut, dennoch hat sein Bauchgefühl die andere Kandidatin favorisiert. Schade.
Jetzt heißt es also einmal mehr aus dem gewohnten Rahmen zu denken und nach Möglichkeiten zu suchen sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Selbstständigkeit? Weitere Ausbildung? Alles kann doch möglich sein, nicht wahr?
Fest steht: Hier zu Hause sein ohne mein Kind, das ist nichts für mich. Entweder oder.

Zu meinen Gefühlen:

Ich bin heute ganz schrecklich schuldbewusst. Mein süßes Kind hat sich gestern in den ersten intensiven Frühlingssonnenstrahlen einen ordentlichen Sonnenstich geholt. Und wir, die Rabeneltern, haben das nicht verhindert.
Ein ganz typischer Sonntag: Zu viel in zu kurze Zeit packen, zu viele Dinge die man gern erledigt hätte, alles unorganisiert. Was sich früher im Laufe eines Tages einfach ergeben hat, ist mit Kind nicht mehr ganz so unbeschwert. Da sollte man auf dem zugigen Fahrrad noch eine Jacke anziehen aber eben auch den Sonnenhut nicht vergessen, falls es warm wird. So viele Dinge, die man mittlerweile eigentlich schon selbstverständlich einpackt, Dinge, die einen die Erfahrung gelehrt haben: Vergiss nie eine Windel, ein Notfall-Nuckel nimmt keinen Platz weg, Feuchttücher sind IMMER sinnvoll, Maiswaffeln für den großen Hunger zwischendurch...undundund.
Sonntag haben wir uns über all das hinweg gesetzt und weder Wickeltasche noch sonst was mitgenommen - eben sehr kurzfristig gedacht. Aber anstatt dann nach Hause zu fahren wollen noch tausend Sachen in den Tag gepackt werden und plötzlich fängt das Kind an zu maulen und zu weinen. Was untypisch und zeitgleich nervig ist.
Am Ende des Tages dann das schleichende schlechte Gewissen...Was, wenn sie nun zu lang in der Sonne war? Ungeschützter Kopf, ungeschützter Nacken?
Später die Bestätigung: 38,5 Fieber, ein ordentlich gewaschener Sonnenstich.
Noch später: 39,0°C. Meine Welt geht kurz unter und ich muss meine Mama anrufen. Papa ist wenig hilfreich weil weg und eher hysterisch ("Krankenhaus, los!"). Also Hausrezepte: lauwarme Wadenwickel, leichte Sachen, Fieber kontrollieren. Es steigt nicht weiter und wir schlafen, seit langem mal wieder, in einem Bett. Bis nach 8.00 Uhr.
Fieber bei 37,7°C, aber Mieke ist nicht mehr so heiß. Ein gutes Zeichen, werte ich. Und bring sie in die Krippe, mit doofem Gefühl. Jetzt ärger ich mich: Warum hab ich meinen Bedenken nicht statt gegeben? Ist diese Eingewöhnung wirklich so lebenswichtig?
Was mich tröstet ist das Versprechen der Erzieherin mich anzurufen, falls es nicht gehen sollte. Schließlich bin ich zu Hause! Bisher verhält sich das Telefon still und zu meiner Beruhigung kann ich sie auch gleich abholen.

Ein extrem suboptimaler Tag für mich mit einem großen Brocken schlechtem Gewissen. Ich hab zwar schon dumme Sachen gemacht, aber bisher haben sie nur mich betroffen. Einen offensichtlichen Fehler zu begehen, der auf Kosten meiner Tochter geht, ist neu.
Willkommen im Leben und so...

2 Kommentare:

  1. O, O, O, Deinen Mut hätte ich nicht gehabt. Ein Sonnenstich ist eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der die Hirnhaut anschwillt, ich hätte der kleinen noch 1 - 2 Tage Ruhe gelassen. Aber es hat ja gutgegangen, einen schönen Tag noch, liebe Grüße, die Christiane

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  2. Ja, das arme Kind macht schon einiges durch mit ihren Eltern :-(
    Zur Beruhigung: Fieber ist weg, eine minimal erhöhte Temperatur und Appetitlosigkeit ist noch da. Aber das ist nicht so wild, so lange sie gut trinkt.
    Zu allem Übel kommen jetzt die Nachwehen der letzten Hammer-6fach-Impfung und die Kleine hat Durchfall.
    Aber munter und lebendig ist sie...
    Liebe Grüße zurück!

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