Da mein liebstes Kind bei dem aufregenden Spielenachmittag mit ihrer besten Freundin keine Sekunde Ruhe bekommen hat, sind wir entgegen meiner Pläne statt mit dem Bus zu Fuß nach Hause gegangen. Das ist ein etwa 45minütiger Spaziergang, ziemlich allein durch die stille Kälte. Mieke hat sofort die Augen geschlossen und sich in ihren weichen Fußsack gekuschelt.
45 Minuten sind relativ lang, wenn man seinen IPod vergessen hat und mit niemandem telefoniert. Gesegnet sei die innere Stimme, mit der man ins Zwiegespräch gehen kann...
Wo will ich hin? Wie sehe ich mich? Was werde ich in Zukunft machen?
So viele Herzen schlagen in meiner Brust, so vieles hätte ich gern...Und doch- das, was ich mit Leidenschaft machen möchte, ist irgendwie nicht drin.
Kann es denn sein, dass man einmal im Leben die Weichen nicht in die richtige Richtung gestellt hat? Dass einen die Korsettstangen zwar halten, aber auch zwängen?
Früher habe ich gedacht, dass man wirklich seines eigenen Glückes Schmied ist und alles erreichen kann, wenn man es nur fest genug will. Aber geht das, ganz realistisch?
Plötzlich ist man nicht mehr allein, kann seinen egoistischen Neigungen nicht mehr rücksichtslos nachgehen...Plötzlich muss man Antworten finden auf Fragen wie: Wie oft willst du dein Kind sehen? Was bist du bereit zu missen? Wo ist deine persönliche Mitte, bis zu der ein Kompromiss möglich ist?
Erwachsen. Und nicht nur einmal überfordert. Also quält man sich durch alle hellen und dunklen Momente. Und hofft auf das erfüllende Licht am Ende des Tunnels. Getreu dem Motto: "Mein Weg wird mich finden".