...allein, allein.
Jetzt sitz ich hier, mein Glas Rotwein (ein nicht wirklich toller, das sollte auch erwähnt werden) ist geleert, die Waschmaschine schleudert vor sich hin, meine Lieblingsdecke kuschelt mich ein und mein vorbildliches Kind schläft den Schlaf der Gerechten.
Meinen obligatorischen Krimi (heute: "Das Leben des David Gale") hab ich geschaut, die Bügelwäsche türmt sich und die Spülmaschine würde gern entleert werden. Aber irgendwie hab ich dafür gerade keinen Nerv.
Ich habe großen Respekt vor allein erziehenden Müttern und noch mehr vor solchen, die wirklich auf sich allein gestellt sind und auch keine Familie in der Nähe haben. Was wäre ich nur ohne die Omas
und Opas??? Mein Mann ist, so als Start ins neue Jahr, bis Donnerstag in Österreich und Valencia. Warum soll ich denn dann heute seine Hemden bügeln? Es merkt ja eh keiner...
Allein zu sein - das fand ich früher gar nicht so schlecht. Meinen Gedanken nachhängen, für mich Städte erkunden, stundenlang shoppen nach meinen eigenen Bedürfnissen, nicht gestört werden. Und jetzt? Beschleicht mich immer öfter ein unwohles Gefühl bin ich allein.
Natürlich, mein Kind ist da! Aber das ist nicht dasselbe. Mir fehlt der ruhige Alltag, die Nähe, die Vertrautheit, der Austausch. Was vermisse ich unsere Gespräche, das Lachen und abends zusammen kochen und baden. Das muss es sein, warum ich mich so unwohl fühle- meine zweite Hälfte fehlt mir. Ich versuche meine Tage zu nutzen, so lang ich noch frei darüber verfügen kann, ganz ohne berufliche Verpflichtungen. Momentan muss ich mich "nur" nach meiner Tochter richten.
Ich finde, heute ist der richtige Tag gekommen, um sie euch mal richtig vorzustellen. Ihr Name ist Mieke und sie wird Freitag schon 10 Monate. Ein (verhältnismäßig) richtig großes Mädchen!
Jeder sagt immer wie schnell die Zeit doch vergeht! Warum schleicht sie wenn man auf etwas, auf jemanden wartet und andersrum rennt sie davon, wenn man sie anhalten wollen würde... Und was für ein komisches Gefühl beides auf einmal zu wollen: Einerseits wünschte ich mein Mann wäre wieder hier. Andererseits ist das Tempo was Mieke an den Tag legt wie ein Turbogang. In 4 Wochen verändert sich bei ihr so viel. Sie lernt jeden Tag etwas Neues, wie faszinierend ihr dabei zusehen zu dürfen. Heute hat sie ganz intensiv ihre Haarbürste begutachtet. Jede einzelne flauschige Borste wollte sie begreifen, anfassen und am liebsten mit dem Mund betasten. Ob die Härchen wirklich so kitzeln wie sie aussehen??? Es war ein richtiges Schauspiel: Sie hat bestimmt 10 Minuten wie angewurzelt die Bürste von der linken in die rechte Hand gegeben, sie dabei ganz neugierig angeschaut, dann mit den Fingern die Borsten runtergedrückt, sie in den Mund genommen, wieder in die andere Hand und mit offenem Mund gestaunt. Was da in dem kleinen Köpfchen wohl vorgehen mag?
Mittlerweile hat sie auch schon 4 Zähne (mit den nächsten beiden im Anmarsch) und testet mehrmals täglich mit ihren Fingern wie sich das mit Zähnchen so anfühlt. Und was man damit alles machen und essen kann: Papa in die Nase beißen, sich selbst auf die Zunge beißen, die Zahnbürste macht da ganz andere Geräusche als auf der Zunge, Mandarine kann man essen, Brötchen sogar mit Kruste und auch zerdrücktes Gemüse geht schon, feines Püree ist was für Babies!!! So wertvoll, die Zeit.
Wie das nur werden wird wenn sie täglich für mehrere Stunden in der Krippe sein wird. Was werde ich dann alles verpassen? Natürlich weiß ich, dass sie dort gut betreut wird und sie da mehr Lieder singen und Reime abzählen als ich sie mir jemals anlesen könnte. Nicht zu vergessen all die andern Kinder, die Erfahrung "Ich bin hier nicht allein, ich kann mit anderen in Kontakt treten und muss auch Rücksicht üben". Ja, das will ich für sie. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt. Wie schnell dieses erste Jahr dann doch ins Land zieht, wie schnell kleine Kinder lernen, wie geschickt sie werden und wie aufmerksam sie ihr gesamtes Umfeld in sich aufsaugen.
Wie schade, dass man sich an seine eigene Frühkindheit nicht mehr erinnern kann. Wie muss das gewesen sein plötzlich völlig neue Gesichter zu sehen, die ersten eigenen Erfahrungen zu sammeln: "Das ist hell, das schmeckt gut, das ist warm, das hier heiß. Das gefällt mir, das hier gar nicht. Und: wo ist eigentlich MAMA???"
Seit einiger Zeit brabbelt Mieke so wunderbar vor sich hin, in ihrer kleinen Welt, das berühmte Mamamamamama und BababapapapapaPAPA ist dabei und natürlich 100 000 Dinge, die ich gern hinein interpretiere. Aber schon bald wird sie richtig anfangen. Und fordernder sein können, weil sie ihre Welt bezeichnen kann. Ach ich kann es gar nicht erwarten in diese Art der Kommunikation mit ihr zu treten.
Jeder Tag hat seinen eigenen Charme, seitdem sie in unser Leben getreten ist. Wie schön all das teilen zu können. Und wie schmerzhaft in solchen Momenten allein zu sein. Aber es sind ja nur noch 4 Tage...