Es gibt da was, das beschäftigt mich intensivst.
Wir hatten nie Schlafprobleme mit unserem Kind, besonders in den ersten Monaten. Natürlich hat sie ab und an geweint, aber an das durchschlafen hat sie sich sehr schnell gewöhnt. Und auch abends-es gab Phasen, da hat Mieke geweint. wenn wir sie ins Bett gebracht haben. Aber das hat nie länger als 5 Minuten gedauert.
Wir waren immer der Ansicht, dass ein Baby auch ab und an das Recht hat unzufrieden zu sein und zu weinen und wir nicht jeden Kummer vermeiden oder besser machen können.
Eigentlich war ich damit ganz zufrieden und sie hat bis heute eigentlich ein gutes und stabiles Schlafverhalten.
Nun gibt es aber Kinder, die ticken da nicht ganz so. Die haben ein anderes Temperament oder beruhigen sich allein gar nicht mehr.
Ich habe mich schon öfter dabei ertappt, wie ich im tiefsten Inneren doch gedacht habe: Lasst es doch mal ein wenig in Ruhe, ein Kind, das schlafen will, schläft schon irgendwann.
Ganz schön arrogant, find ich grade.
Bei uns hat wenigstens die Notvariante Familienbett immer die Nacht gerettet. Also, wenn die Maus nicht schlafen konnte und trösten unmöglich war, dann schwupps, ab ins Bett und alles war gut. Mit wachsendem Alter hat sie zwar Probleme in der Nacht dann wieder in den Schlaf zu finden, aber in der Regel klappt das wirklich gut und ist entspannt und kuschelig. Und es ist ja auch nicht jede Nacht. Wir haben schon noch unsere Zweizeit...
Je mehr Bekannte ich allerdings mit "schlafgestörten" (wenn man das jetzt so nennen will, beziehungsweise: nicht so schlafen wie man es sich als Eltern wünschen würde...) Kindern habe, desto mehr lese ich auch drüber. Und plötzlich brennen sich Sätze ein wie: "Schreien bedeutet ein hohes Maß an Stress, das von Babys noch nicht richtig abgebaut werden kann." "Baby ist einsam in der Zeit, in der es schreit, egal ob 2, 5 oder 10 Minuten."
Und das klingt alles so schrecklich logisch!
Jetzt ist es da: Das schlechte Gewissen. Was, wenn mein Kind mal ein paar Minuten zu lange geschrien hat? Was, wenn es jetzt eine Störung kriegt?
Aus diesem Grund hasse ich Ratgeber. Sie malen alles schwarz-weiß und klingen doch in sich logisch stringent. Was bleibt ist der fade Beigeschmack, dass man irgendwas immer "falsch" macht. Es untergräbt mein eigenes Selbstbewusstsein und meine Mutterinstinkte. Dachte ich gestern noch: "Es ist schon alles OK so wie ich es mache, mein Bauch sagt das Richtige", bin ich heut hochgradig verunsichert und verschüchtert.Vielleicht sollten alle diese Bücher fortan mit Ignoranz gestraft werden.
Was ich gerne lese sind Bücher über die Entwicklung kleiner Kinder. Zu wissen, was das kleine Hirn schon leisten kann (oder was eben auch nicht)- das bringt mich weiter.
Es ist gut und wichtig aus tiefster Überzeugung zu wissen, dass ein Kind mit 2 Jahren bestimmte Dinge einfach noch nicht in sein kleines Köpfchen kriegt und die richtige Konsequenz zieht. Vorallem wenn es aus dem Nichts unglaubliche Sachen vollbringt, wo man dazu neigt ihm mehr zuzutrauen, als es kann.
Es ist nicht böswillig, es testet. Es lacht nicht aus Triumph, sondern vielleicht aus Freude. Es will nicht weh tun, es weiß noch nicht, dass bestimmte Dinge weh tun und welche Kraft es hat.
Und vorallem: es kann seine Gefühle noch nicht einordnen. Es ist fast schon hilflos, jetzt wo es weiß "Ich bin ich" und "Ich kann auch Nein sagen". Wie schwer muss es sein, wenn man seinen Willen nicht durchsetzen kann. Wenn man spürt, man gelangt an seine Grenzen. Wenn man weint und noch nicht weiß warum genau. Und das schlimmste: Man kann es nicht sagen. Man spürt nur: es ist nicht in Ordnung. Also weine ich. Es klingt für uns Erwachsene so trivial manchmal, aber mir tut das meist so leid. Ich hoffe sehr, dass ich ihr mit Liebe und Konsequenz durch diese Phase helfen kann und sie es bald versteht.
Wie enttäuscht bin ich jedes Mal auf's Neue, wenn ich keinen Kuss kriege wenn ich sie aus der Krippe hole. Oder überhaupt (Papa hingegen schon!!!). Andererseits versuche ich ihr ja gerade das beizubringen: Sag Nein, wenn du selbst grad keine Zärtlichkeiten magst oder geben willst. Das ist in Ordnung, du bist niemanden sein Kuscheltier.
Wir wachsen alle an diesem Prozess. An dieser unglaublichen Reise, die sich Eltern sein nennt.
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